Kinderarzt in Düren

Kopflausbefall

Eine Kopflaus kann ausgewachsen circa 3 mm groß werden.

Wie sieht eine Kopflaus aus? Läuse erkennen!

Eine ausgewachsene Kopflaus besitzt einen länglichen Körper und ist circa 3 mm groß. Dies entspricht dem Durchmesser eines Stecknadelkopfes. Sie hat keine Flügel und ist daher flugunfähig. An ihren sechs Beinen befinden sich hakenförmige Krallen, mit denen sie sich besonders gut an Haaren festhalten kann. Diese Beinchen ermöglichen es ihr, über die Haare zu krabbeln und von einem Kopf zum nächsten zu wandern (springen kann die Kopflaus nämlich entgegen der Vermutung vieler nicht).

Wie bei den meisten Insekten defininiert sich das Aussehen der Kopflaus durch einen Chitinpanzer, der transparent, grau oder bräunlich sein kann. Die Atmung der Kopflaus erfolgt, anders als beim Menschen, nicht über ein Lungensystem. Stattdessen besitzt sie entlang ihres Körpers vierzehn Atemöffnungen, die die Luft in kleine, verzweigte Röhren weiterleiten.

Kopfläuse sind hemimetabole Insekten, das bedeutet, dass sie keine komplette Metamorphose (Gestaltumwandlung, wie beispielsweise von der Raupe zum Schmetterling) durchleben. Ihr Lebenszyklus, der bis zu 30 Tage dauern kann, beginnt mit einem etwa 0,8 mm großen, ovalen Ei. Die Hülle des Eies wird auch als Nisse bezeichnet. Dieses Ei besteht ebenfalls aus Chitin und wird vom Muttertier ganz nah an der Kopfhaut an einem Haar festgeklebt. Dafür benützen Kopfläuse ein Sekret, welches nach kurzer Zeit aushärtet und nicht wasserlöslich ist. Besonders gerne werden die Eier an den Haaren im Nackenbereich, an den Schläfen und hinter den Ohren befestigt, denn dort herrscht die ideale Temperatur für die Entwicklung der Kopflauseier. Nach circa einer Woche, in Ausnahmefällen aber auch erst nach bis zu 14 Tagen, schlüpft aus dem Ei eine sogenannte Nymphe. Die Nymphe sieht schon komplett wie ein ausgewachsenes Tier aus, sie ist nur etwas kleiner (1 bis 2 mm). Anschließend beginnt die Nymphe zu wachsen, sich zu häuten und Blut zu saugen. Innerhalb von neun bis zwölf Tagen entwickelt sie sich zu einer erwachsenen, geschlechtsreifen Kopflaus. Ergibt sich eine passende Möglichkeit, wandert der Parasit gerne auf einen neuen Kopf weiter, er vollzieht also einen Wirtswechsel. Ausgewachsen kann die Kopflaus Eier ablegen und diese an den Haaren festkleben. Insgesamt kann ein Läuseweibchen circa 10 Eier pro Tag produzieren. Das Erstaunliche dabei: Das Kopflausweibchen braucht keinen männlichen Artgenossen dafür. Eine einzige Paarung kurz nach dem Schlüpfen genügt dem Weibchen, um ihr Leben lang Eier abzulegen.

Die Kopflaus ist ein blutsaugender Parasit und hat nur einen einzigen Wirt, den Menschen. Mit ihrem Stechsaugrüssel ritzt sie alle zwei bis vier Stunden in die obere Schicht der Kopfhaut hinein und beginnt, Blut zu saugen. Durch das Aufsaugen des Blutes und ihren transparenten Chitinpanzer nimmt die Kopflaus dabei eine rötliche Farbe an. Wie Stechmücken spritzt auch die Kopflaus Speichel in den Wundkanal, um die Gerinnung des Blutes zu unterbinden. Die Abgabe des Speichels in die Wunde kann zu Infektionen und Immunreaktionen führen. In anderen Gebieten der Welt, vor allem in Entwicklungsländern, kann die Kopflaus auch Überträger von Krankheitserregern (zum Beispiel dem Erreger des Fleckfiebers) sein. In unseren Breiten ist dies jedoch nicht der Fall. 

Kopfläuse gibt es weltweit, aber vor allem Kinder sind sehr häufig von einem Befall betroffen. Da die Kopflaus nicht springen, sondern nur klettern kann, ist sie beim Wirtswechsel darauf angewiesen, dass sich die Haare zweier Menschen berühren. Wahrscheinlich ist dies der Grund, weshalb Mädchen häufiger von Kopfläusen betroffen sind als Jungen. Typischerweise treten Kopfläuse in Form von Epidemien auf. Sie brechen zum Beispiel oftmals für einen bestimmten Zeitraum in Einrichtungen zur Betreuung von Kindern aus, beispielsweise in Kindergärten, Kindertagesstätten oder Schulen. Das Auftreten dieser Kopflausepidemien ist meist jahreszeitenabhängig. Oftmals erscheinen sie interessanterweise nach Ende der Sommerferien. Die Körperhygiene der Betroffenen, wie beispielsweise die Häufigkeit von Duschen oder Haare waschen, spielt für den Befall durch Kopfläuse übrigens keine Rolle.

Das auffälligste Symptom eines fortgeschrittenen Kopflausbefalls ist das zum Teil starke Jucken der Kopfhaut. Im Anfangsstadium ist es jedoch nicht ganz einfach, den Befall sofort zu erkennen. Kopfläuse meiden Helligkeit, sind nur etwa 3 mm groß und farblich gut getarnt. Daher sind sie mit bloßem Auge oftmals nicht wahrzunehmen. Die Eier der Kopflaus werden nahe der Kopfhaut an den Haaren festgeklebt. Nach dem Schlüpfen der Kopfläuse bleibt nur die weißliche Eihülle, die sogenannte Nisse, zurück. Sie ist meist leichter im Haar zu erkennen als die Kopflaus selbst. Dennoch bleibt der Läusebefall oft für viel zu lange Zeit unentdeckt. Dies liegt vor allem daran, dass es bei einem erstmaligen Kopflausbefall drei bis fünf Wochen dauern kann, bis die ersten Symptome auftreten.

Der typische, starke Juckreiz an der Kopfhaut wird als Reaktion des eigenen Immunsystems auf den Speichel, den die Laus beim Blutsaugen in den Wundkanal injiziert, ausgelöst.

Verdacht auf Kopfläuse - und jetzt?

Besteht der Verdacht auf Kopfläuse, sollte man zunächst Ruhe bewahren und der Vermutung nachgehen. Hierfür sollte der Kopf sehr gründlich nach Läusen abgesucht werden. Zu diesem Zweck eignet sich besonders die Kontrolle mittels eines Läusekamms. 
Erst wenn der Verdacht bestätigt ist, sollte man weitere Schritte zu Therapie, Ansteckungsbekämpfung und Information von Betreuungseinrichtungen, wie Kindergärten oder Schulen, einleiten. Zur Beruhigung sei gesagt, dass Kopfläuse heute relativ leicht zu behandeln sind und ein Befall nichts mit mangelnder Hygiene zu tun hat.

Kopflauskontrolle mittels Läusekamm

Mit einem Läusekamm können Kopfläuse aus dem Haar gekämmt werden und zweifelsfrei identifiziert werden. Somit dient der Läusekamm nicht nur der direkten Entfernung der Läuse vom Kopf und aus den Haaren (als ergänzende Maßnahme zu anderen Therapiemethoden). Das gründliche Kämmen dient auch dazu, einen möglichen Befall durch Läuse eindeutig zu erkennen. Sollte der Verdacht auf einen Kopflausbefall bestehen, ist der Läusekamm ein hervorragendes Mittel, um dieser Vermutung nachzugehen. Denn bei einem Befall finden sich die Parasiten und Nissen zwischen den Zinken wieder und können eindeutig identifiziert werden.

Bei der Benutzung eines Läusekamms ist es wichtig, sehr gründlich vorzugehen. Die Haare sollten Strähne für Strähne gekämmt werden, jeweils von der Kopfhaut bis zu den Haarspitzen. Nach jeder Strähne sollte der Kamm mit einem weißen Papiertuch gesäubert werden. Dadurch werden Läuse oder Nissen auf das Tuch übertragen. Kopfläuse erkennt man an ihrer länglichen Gestalt, grauen bis bräunlichen Farbe und einer Größe von etwa 3 mm. Die Nissen (Eier der Kopfläuse) sind ebenfalls gräulich bis braun, oval und nur 1 mm lang. Im Zweifelsfall kann eine Lupe zur Hilfe genommen werden, um die Kopfläuse bzw. deren Nissen eindeutig zu erkennen. Auf diese Weise kann der Läusekamm als effektives Mittel zur Kontrolle eines Läusebefalls genutzt werden. Auch der erfolgreiche Rückgang der Kopfläuse im Anschluss an eine Behandlung kann durch das Kämmen überprüft werden. Nach einer effektiven Behandlung sollten sich keine lebenden Läuse und auch keine Nissen mehr auf dem Läusekamm beziehungsweise dem Papiertuch befinden

 Auskämmen der Haare mit einem Läusekamm © iStockphoto

Therapie

Physikalische Therapieformen:

Es gibt flüssige, ungiftige Substanzen, welche die Kopfläuse durch ihre physikalischen Eigenschaften abtöten. Diese Mittel enthalten langkettige Moleküle, sogenannte Dimeticone, welche die Oberfläche der Läuse ganzheitlich benetzen. Dabei werden unter anderem auch die Atemöffnungen (Stigmen) der Kopfläuse verschlossen. Die Parasiten können keinen Sauerstoff mehr aufnehmen und ersticken somit. Die Bildung von resistenten Kopfläusen ist bei Anwendung physikalischer Mittel zur Läusebekämpfung eher unwahrscheinlich.

Chemische Therapieformen: Insektizide

Mittel, die giftig für die Kopfläuse sind und diese abtöten, werden auch Insektizide genannt. Sie enthalten je nach Produkt verschiedene Wirkstoffe, die auf das Nervensystem der Laus einwirken.

Pflanzliche Therapieformen: Kokos- und Anisöl

Es gibt verschiedenste Substanzen auf pflanzlicher Basis, die die Kopfläuse abtöten sollen. Oft bestehen sie aus Gemischen von ätherischen Ölen oder Fettsäuren und enthalten typischerweise Pflanzenextrakte wie Kokos- oder Anisöl. Sie haben häufig eine gute Wirksamkeit und töten Kopfläuse aufgrund verschiedenster Wirkmechanismen ab.

Allerdings wurden bisher nicht alle pflanzlichen Mittel ausreichend untersucht und die Anwendung kann unter anderem Allergien verursachen.

Nasses Auskämmen mit Pflegespülung und einem Läusekamm

Um ganz sicher zu gehen, sollten die Haare zusätzlich nass ausgekämmt werden. Kämmen Sie direkt nach der Behandlung mit Läusemittel zum ersten Mal aus und dann über zwei Wochen alle vier Tage.

Gehen Sie beim nassen Auskämmen wie folgt vor:

Tragen Sie eine handelsübliche Haarpflegespülung auf (nicht ausspülen). Sie erleichtert das Auskämmen und hindert die Kopfläuse am Weglaufen.

Kämmen Sie das feuchte Haar sorgfältig Strähne für Strähne mit einem Läusekamm vom Ansatz bis in die Haarspitzen aus. Gehen Sie hierbei äußerst sorgfältig vor (das Auskämmen dauert mindestens eine halbe Stunde, bei längerem oder dickerem Haar auch länger).

Streichen Sie den Kamm nach jedem Durchkämmen auf einem Küchenpapier aus. Wenn Sie darauf Larven oder Kopfläuse finden, kämmen Sie dieselbe Strähne noch einmal aus.

Läusekämme sind spezielle Kämme mit sehr eng beieinander liegenden Zinken, die deshalb sehr gut dafür geeignet sind, Kopfläuse, Larven und Nissen zu erfassen. Sie bekommen solche Kämme in Ihrer Apotheke.

Wichtig bei der Behandlung von Kopfläusen: Alles zur richtigen Zeit

Für eine erfolgreiche Behandlung der Kopfläuse ist es wichtig, dass alle Behandlungsschritte zu einem bestimmten Zeitpunkt stattfinden, der den Entwicklungszyklus von Kopfläusen berücksichtigt. Denn nur dann kann man sicher sein, dass nicht nur die ausgewachsenen Kopfläuse, sondern auch die später geschlüpften Larven entfernt werden.

Gehen Sie deshalb nach folgendem Behandlungsschema vor:

Tag 1 (Tag der Entdeckung der Kopfläuse): Behandlung mit Läusemittel und anschließend nasses Auskämmen (s.o.).

Tag 5: Nasses Auskämmen, um früh geschlüpfte Larven zu entfernen.

Tag 8, 9 oder 10: Zweite Behandlung mit Läusemittel, um spät geschlüpfte Larven abzutöten; anschließend nasses Auskämmen.

Tag 13: Kontrolluntersuchung durch nasses Auskämmen.

Tag 17: Eventuell letzte Kontrolle durch nasses Auskämmen (insbesondere wenn der Befall sehr stark war).

Hygienemaßnahmen in Haushalt, Kindergarten und Kinderhort:

Da Kopfläuse sich nur auf dem menschlichen Kopf ernähren und vermehren können, sind Reinigungs- und andere Maßnahmen von untergeordneter Bedeutung und dienen vorsorglich der Unterbrechung eventuell möglicher Übertragungsvorgänge:

Kämme, Haarbürsten, Haarspangen und -gummis sollen in heißer Seifenlösung gereinigt werden,

Schlafanzüge und Bettwäsche, Handtücher und Leibwäsche sollen gewechselt werden,

Kopfbedeckungen, Schals und weitere Gegenstände, auf die Kopfläuse gelangt sein könnten, sollen für 3 Tage in einer Plastiktüte verpackt aufbewahrt werden. Insektizid-Sprays sind nicht nötig.

Dass diese Maßnahmen das Untersuchen und Behandeln der Personen im näheren Umfeld des zuerst erkannten Trägers von Kopfläusen lediglich ergänzen, ergibt sich aus der Tatsache, dass Kopfläuse mehrfach täglich Blut saugen müssen, um nicht auszutrocknen, und dass sie ohne Nahrung nach spätestens 55 Stunden abgestorben sind.

Meldepflicht gemäß IfSG

In Deutschland besteht keine krankheits- oder erregerspezifische Meldepflicht gemäß IfSG.

Benachrichtigungspflicht gemäß IfSG

Leiterinnen und Leiter von Gemeinschaftseinrichtungen haben gemäß § 34 Abs. 6 IfSG das zuständige Gesundheitsamt unverzüglich zu benachrichtigen, wenn in ihrer Einrichtung betreute oder betreuende Personen Kopflausbefall haben.

 

Quellen (auch Bildmaterial):

https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Kopflausbefall.html

https://www.kindergesundheit-info.de/themen/krankes-kind/kopflaeuse/behandlung/

https://www.nyda.de/laeuse

 

 

 

 

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