Kinderarzt in Düren

HPV

 

 

Dieser Flyer soll Ihnen als Eltern oder dir als Jugendliche/r helfen, die Notwendigkeit der HPV-Impfung besser zu verstehen. Im  Sommer 2018 hat die STIKO (Ständige Impfkommission für Deutschland) ihre Impfempfehlung zur HPV-Impfung erweitert und empfiehlt diese Impfung jetzt nicht nur (wie bisher) den Mädchen, sondern allen Kindern und Jugendlichen von 9-14 Jahren.
Spätestens vor dem 18. Geburtstag sollten noch fehlende Impfungen nachgeholt werden. Die Kosten für diese Impfung werden  nach der Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) und Veröffentlichung im Bundesanzeiger von allen Kran- kenversicherungen übernommen.

 

Was bedeutet HPV?

» HPV steht für Humanes Papillom-Virus. Weltweit gehören HPV-Infektionen zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen. Man unterscheidet bei HPV Hochrisiko- und Niedrigrisiko-Typen, wobei anhaltende Infektionen mit Hochrisiko-Typen in seltenen Fällen zu verschiedenen Krebsarten führen können (Gebärmutterhalskrebs, Scheidenkrebs, Analkrebs, Peniskrebs, Zungen-/Rachen-/Halskrebs).

» Derzeit werden 12 Hochrisiko-HPV-Typen als krebserzeugend eingestuft, wobei Typ 16 eine dominierende Rolle spielt. Die Niedrigrisiko-HPV-Typen können Genitalwarzen auslösen.

Wie viele Fälle gibt es in Deutschland?

» In Deutschland erkranken trotz eines schon lange bestehenden Früherkennungsprogramms jährlich etwa 4.600 Frauen an einem Gebärmutterhalskrebs, etwa 1.600 versterben jährlich daran.

» Ca. 1.750 Männer und Frauen erkranken jährlich an einem Analkrebs, etwa 400 sterben daran.

» An einem durch HPV verursachten Karzinom der Mundhöhle oder des Rachens erkranken jährlich etwa 850 Menschen beiderlei Geschlechts, mit einer Sterberate von 50%.

» Etwa 750 Männer erkranken jährlich an Peniskrebs, davon versterben etwa 170

Wie kommt es von HPV zu Krebs?

» Mittlerweile ist wissenschaftlich gesichert, dass nahezu alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs auf HPV zurückzuführen sind. Bei den anderen genannten
Krebsarten geht die Wissenschaft bisher davon aus, dass mindestens die Hälfte der Fälle durch HPV ausgelöst wird.

» Die Infektion mit HPV findet meistens in den ersten Jahren der sexuellen Aktivität statt durch direkten Kontakt an Haut und Schleimhaut von Scheide, Gebärmutter-hals, Analregion oder Mund. Die Infektion findet bei etwa 80% aller Männer und Frauen statt, unabhängig von ihrer sexuellen Ausrichtung.

» In der überwiegenden Mehrzahl der Infektionen verläuft diese unbemerkt und heilt innerhalb von 1 bis 2 Jahren folgenlos aus. In dieser Zeit sind die betroffenen Perso-
nen zeitweise ansteckend für ihre Sexualpartner.

» In wenigen Fällen heilt die Infektion aber nicht aus und kann in einem schleichenden Prozess über verschiedene Vorstufen zu den jeweiligen Krebsarten führen. Die-
ser Prozess dauert oft viele Jahre und verbleibt nicht selten unbemerkt. Durch das bestehende gynäkologische Krebs-Früherkennungsprogramm können manche dieser Krankheitsverläufe entdeckt und angehalten, oft auch geheilt werden. Wenn die Erkrankung in einem späten Stadium erkannt wird, ist die Therapie meistens verbunden mit risikobehafteten operativen Eingriffen.

Und was soll da die HPV-Impfung?

» Die HPV-Impfung verhilft den geimpften Jugendlichen zu einem lang anhaltenden Immunschutz gegen die in den Impfstoffen vertretenen HP-Virustypen an Haut und Schleimhäuten, so dass es nach Sexualkontakt mit einer/m HPV-infizierten Partner/in nicht zu einer Infektion mit diesen HPV-Typen und damit zu einem erheblich verringerten Risiko für spätere Krebserkrankungen kommt.

» Es ist daher sinnvoll und am besten wirksam, bereits Kinder gegen HPV zu impfen, also vor Beginn der sexuellen Aktivität. Je mehr Jugendliche geimpft sind, desto weniger kann sich die HPV-Infektion auch später ausbreiten.

» Die Wirksamkeit der HPV-Impfung wurde sowohl vor der Einführung des Impfstoffs (2007) als auch seitdem sorgfältig geprüft. Inzwischen wurden weltweit etwa 300 Mil-lionen Impfdosen verimpft. Aufgrund der langen Dauer zwischen einer HPV-Infektion und der Entstehung eines HPV-assoziierten Karzinoms kann die Anzahl der verhinderten HPV-bedingten Krebsfälle aktuell noch nicht zuverlässig gemessen werden. Bisher zeigen jedoch alle Studien zur Wirksamkeit des Impfstoffes gegenüber anhaltenden HPV-Infektionen oder gegenüber von HPV verursachten Krebsvorstufen beim Gebärmutterhalskrebs eine sehr gute Effektivität der verfügbaren Impfstoffe.

Gibt es Nebenwirkungen?

» Die Sicherheit der HPV-Impfstoffe bezüglich Nebenwirkungen, Komplikationen, Impfschäden werden seit der Einführung dieser Impfung weltweit überprüft. Die Impfstoffsicherheitskommission der Weltgesundheitsorganisation (GACVS, Global Advisory Commitee on Vaccine Safety) hat die HPV-Impfung zuletzt 2017 nach mehr 
als 270 Millionen weltweit verimpften Impfdosen bewertet. Sie kommt ebenso wie zahlreiche nationale Zulassungsbehörden zu dem Urteil, dass die HPV-Impfstoffe sehr sicher sind, und stuft die möglichen Nebenwirkungen (Schmerzen, Schwellung, Rötung an der Impfstelle, leichtes Krankheitsgefühl für 1-3 Tage) oder Komplikationen (Kreislaufprobleme bis hin zur Ohnmacht direkt nach der Impfung) als vertretbar ein. Diese Nebenwirkungen sind selten, halten nur kurzfristig an und heilen komplett aus. Das Risiko einer lebensgefährlichen allergischen Reaktion ist nicht größer als bei anderen Impfungen (ca. 1 Fall auf 1.7 Millionen Impfungen).

Wer wird nicht geimpft?

» Bei leichten Erkrankungen ohne hohes Fieber kann geimpft werden. Bei schwereren, behandlungsbedürftigen Krankheiten sollte der beste Impfzeitpunkt mit Ihrem 
Kinder- und Jugendarzt besprochen werden.

» Kinder oder Jugendliche, die bereits auf eine andere Impfung mit eindeutig allergischen Symptomen reagiert haben, sollten erst nach Rücksprache mit Ihrem Kinder- und Jugendarzt geimpft werden.

Welche Impfstoffe stehen zur Verfügung?

» Es gibt aktuell 2 Impfstoffe: Cervarix® schützt direkt vor den HPV-Hochrisiko-Typen 16 und 18 und indirekt gegen einige seltenere Hochrisiko-Typen, Cervarix® erreicht einen Schutz vor ca 80% der HPV-Hochrisiko-Ty-pen. Gardasil9® schützt direkt vor den HPV-Hochrisiko-Typen 16, 18, 31, 33, 45, 51 und 58, damit vor ca. 85% der HPV-Hochrisiko-Typen sowie vor den Niedrigrisiko-Typen 6 und 11.

Wer soll geimpft werden?

» Bisher wurden nur die Mädchen geimpft. Jetzt wurde die Empfehlung auch auf Jungen ausgeweitet. Alle Kinder sollten im Alter von 9-14 Jahren geimpft werden, und zwar 2-mal im Abstand von 6 Monaten. Die Impfserie kann gut begonnen werden anlässlich der Früherkennungsuntersuchung U11 (mit 9-10 Jahren) oder der Jugendgesundheitsuntersuchung J1 (mit 12-14 Jahren) bei Ihrem Kinder- und Jugendarzt. Wenn die Impfung erst ab 15 Jahren begonnen wird, sind insgesamt drei Impfungen erforderlich.

Wer bezahlt die Impfung?

» Die gesetzliche und private Krankenversicherung erstatten die HPV-Impfung bis zum 18. Geburtstag (nach Veröffentlichung im Bundesanzeiger).

Zusätzliche Infos im Internet:

www.impfen-info.de
www.kinderaerzteimnetz.de/impfen

 

Autoren:

Dr. Martin Terhardt, Kinder- und Jugendarzt, Mitglied der STIKO, Berlin

Dr. Thomas Fischbach, Kinder- und Jugendarzt, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Köln

Stand: Oktober 2018

 

 

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